Was macht man mit der Zeitung von gestern? Entsorgen. So landen Millionen Wörter im Altpapier, weil sie nutzlos geworden sind. Die andere Möglichkeit: Man gibt ihnen eine zweite Chance, ein anderes Zuhause, ein Sinn-Upgrade und recycelt sie zu neuen Sätzen statt zu Klopapier. Gleiches gilt für alte Bücher, die auf Flohmärkten oder in „Zu verschenken“-Kisten vor Hauseingängen auf einen zweiten Frühling hoffen.

Mit meinen Textverdunkelungen dekonstruiere ich alte Wortverbindungen und erschaffe neue Satzminiaturen. Ich verbinde einzelne Wörter oder Textstellen in alten Buchseiten dadurch, dass ich die nicht gebrauchten Wörter wegstreiche. Der Prozess ist wie eine Buchstabenmeditation, das Ergebnis sind teilverdunkelte und oftmals bunte Text-Bilder: kompakte Konfusionsbeschleuniger für das moderne Daunengehirn.

Vor über 10 Jahren habe ich das Schwarzmalen für mich entdeckt, damals inspiriert von Austin Kleons „Blackout Poetry“ und Tom Phillips‘ beeindruckendem „Humument“. Begleitet von einzelnen Ausstellungen sind in dieser Zeit auch zwei Bücher entstanden, die im Hamburger Verlag GudbergNerger erschienen sind.

Angefangen habe ich mit Artikeln aus Zeitungen und Magazinen, mittlerweile arbeite ich fast ausschließlich mit Seiten aus alten Büchern, weil das Papier eine ganz andere Haptik hat. Und ich mag die Beschränkung des Formats auf eine handliche A5-Seitengröße.

Neue Textverdunkelungen veröffentliche ich regelmäßig auf Twitter, Instagram oder facebook. Für Texte aus eigenem Anbau verweise ich auf mentalreserven.de. Danke für Deine Aufmerksamkeit!